Bad renovieren: Armaturen, Fugen und Abflüsse richtig machen

Bewerte diesen Beitrag
[Total: 0 Average: 0]

Das Bad ist der Raum, in dem kleine Mängel am schnellsten auffallen. Ein Wassertropfen, der alle drei Sekunden aus dem Wasserhahn fällt, verursacht im Jahr rund 4.000 Liter Wasserverlust. Schwarze Fugen wirken unhygienisch, auch wenn sie es nicht zwingend sind. Und ein Abfluss, der das Wasser nur noch zögerlich durchlässt, macht das Duschen zur Geduldsprobe. All das klingt nach teurer Handwerkerrechnung, ist aber in vielen Fällen ein Fall für das eigene Werkzeug.

Tropfende Armaturen: Woran es liegt und wie man es behebt

Der häufigste Grund für einen tropfenden Wasserhahn ist ein verschlissener Dichtungssitz. Bei älteren Einhebelmischern mit Keramikkartusche sitzt das Problem meist in der Kartusche selbst. Der Austausch dauert bei geübten Händen 20 bis 30 Minuten. Zunächst das Absperrventil unter dem Waschbecken schließen, dann die Blende am Griff abziehen, die Schraube darunter lösen und den Griff abziehen. Die Kartusche lässt sich danach herausziehen und baugleich ersetzen. Kartuschen kosten je nach Hersteller zwischen 8 und 35 Euro im Fachhandel.

Bei älteren Zweigriff-Armaturen mit Gummidichtungen reicht oft ein neuer Dichtungsgummi für wenige Cent. Wer nicht sicher ist, welcher Typ verbaut ist, fotografiert die Armatur und nimmt das Foto mit in den Sanitärfachhandel. Wichtig: Immer den Wasserstand nach der Reparatur beobachten. Tropft es nach einer Woche erneut, sitzt das Problem tiefer, etwa am Ventilsitz selbst, der dann neu geschliffen oder ersetzt werden muss.

Siehe auch  Trezor Safe 3 im Test: Unsere Erfahrungen

Fugen sanieren: Schimmel entfernen und neu verfugen

Schwarze Verfärbungen in Silikonfugen sind fast immer Schimmelpilzbefall. Oberflächlicher Schimmel lässt sich mit einem Schimmelentferner auf Chlorbasis kurzfristig heller machen, kehrt aber zurück, solange die Fuge porös ist. Die saubere Lösung ist der vollständige Fugenersatz. Alte Silikonfuge mit einem Fugenmesser oder einem Cuttermesser sorgfältig herausschneiden, Rückstände mit Silikonentferner und einem Tuch abnehmen. Der Untergrund muss trocken und fettstofffrei sein, bevor neues Silikon aufgetragen wird.

Für Bäder eignet sich ausschließlich Sanitärsilikon mit Pilzschutz (gekennzeichnet mit dem Zusatz „Sanit“ oder einem entsprechenden Hinweis auf der Kartusche). Die Kartuschenpresse gleichmäßig führen, die frische Fuge sofort mit einem angefeuchteten Finger oder einem Fugenglätter abziehen. 24 Stunden aushärten lassen, bevor das Bad wieder genutzt wird. Bei Fliesenfugen aus Zementmörtel, die reißen oder abbröckeln, hilft Fugenmörtel in der entsprechenden Farbe. Dünnfugenmörtel für 2 mm Fugenbreite, Breitfugenmörtel ab 5 mm.

Wer das Thema tiefer verstehen will: Die Wikipedia-Seite zu Schimmelpilzen erklärt, warum Badezimmer besonders anfällig sind und welche Bedingungen Wachstum begünstigen.

Abflüsse reinigen und dauerhaft freihalten

Ein langsam ablaufendes Waschbecken hat fast immer die gleiche Ursache: Haare, Seifenreste und Kalkablagerungen setzen den Siphon und das Ablaufgitter zu. Bevor chemische Rohrreiniger zum Einsatz kommen, lohnt der mechanische Eingriff. Das Ablaufsieb abschrauben oder heraushebeln, einen Rohrreiniger-Spiralstab einführen und den Belag herausdrehen. Den Geruchsverschluss (Siphon) unter dem Waschbecken öffnen und ausspülen; dort sammeln sich regelmäßig Rückstände an.

Chemische Abflussreiniger auf NaOH-Basis (Natriumhydroxid) sind wirksam gegen organische Beläge, greifen aber bei häufigem Einsatz Gummidichtungen an. Enzymbasierte Alternativen arbeiten langsamer, schonen das Material. Für die Dusche empfiehlt sich ein wöchentliches Ablaufsieb-Reinigen per Hand, das verhindert den größten Teil der Verstopfungen.

Siehe auch  Bad renovieren ohne Fliesen abschlagen: Clevere Methoden

Was wirklich selbst machbar ist und wo die Grenze liegt

Viele Arbeiten im Bad lassen sich ohne Fachbetrieb erledigen. Wer überlegt, das Bad selbst renovieren zu wollen, findet dort eine strukturierte Übersicht, welche Arbeiten realistisch eigenständig umzusetzen sind. Die Abgrenzung ist nicht immer offensichtlich, folgt aber einer einfachen Faustregel: Alles, was das bestehende Leitungsnetz nicht dauerhaft verändert, liegt im Heimwerkerbereich.

Konkret bedeutet das: Armaturen tauschen ja, neue Leitungen legen nein. Dichtungen erneuern ja, Rohre löten nein. Siphon reinigen und ersetzen ja, Abfluss in die Wand verlegen nein. In Deutschland regelt die DVGW, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches, welche Arbeiten an Trinkwasserinstallationen konzessionierten Fachbetrieben vorbehalten sind. Wer dort die Grenze überschreitet, riskiert Versicherungsprobleme und haftet bei Schäden selbst.

Dichtungen an Dusche und Badewanne prüfen

Undichte Wannen- und Duschkabinendichtungen sind tückisch, weil das Wasser oft unsichtbar in die Wand zieht. Ein früher Hinweis: Feuchteflecken an der Außenseite der Wanne oder abplatzende Farbe an Angrenzungsflächen. Vor der Silikonsanierung unbedingt prüfen, ob hinter der Fliese bereits Feuchte sitzt. Dazu eignet sich ein einfaches Feuchtemessgerät (ab ca. 20 Euro), das die Oberflächenfeuchte anzeigt.

Ist die Wand trocken, reicht die Silikonsanierung. Ist sie feucht, muss erst getrocknet werden, sonst versiegelt man die Feuchte im Mauerwerk ein. Kleine Bautrockner sind tage- oder wochenweise mietbar. Erst wenn der Messwert wieder im normalen Bereich liegt, schließt man die Fuge dauerhaft.

Checkliste für die Badinspektion

  • Alle Armaturen auf Tropfen und Undichtigkeiten prüfen
  • Silikonfugen auf Risse, Verfärbungen und Ablösung kontrollieren
  • Abflüsse auf Ablaufgeschwindigkeit testen
  • Siphons visuell prüfen und bei Bedarf reinigen
  • Fliesenoberflächen auf Risse und lose Stellen abklopfen
  • Feuchte an Wand-Wannen-Übergängen messen
Siehe auch  Verstopftes Abflussrohr in der Wand - schnelle Hilfe

Werkzeug und Materialkosten realistisch einschätzen

Für die meisten Badreparaturen reicht ein überschaubares Grundset: Kartuschenpresse (ca. 10 bis 15 Euro), Fugenmesser (5 Euro), Rohrreinigungsspirale (ab 8 Euro), Sanitärsilikon (ca. 6 bis 12 Euro pro Kartusche) und Dichtungsset für Armaturen (ca. 5 bis 10 Euro). Wer das einmal zusammenstellt, liegt unter 60 Euro und kann damit die meisten der beschriebenen Probleme angehen. Eine einzelne Handwerkerrechnung für die gleichen Arbeiten beginnt erfahrungsgemäß bei 80 bis 150 Euro je Einsatz, ohne Material.

Das rechnet sich also schnell. Voraussetzung ist allerdings, die eigenen Grenzen zu kennen. Wer zum ersten Mal eine Kartusche wechselt, sollte sich Zeit lassen und nichts unter Zeitdruck erledigen. Fehler passieren meist dann, wenn man glaubt, es schnell zu schaffen.


Schreibe einen Kommentar